Rittergut
Rittergutsbesitzer Klügel
Betrifft: Eintrag ins Gästebuch von Helmut Kliß 30. Juli 2009 - 19:57 Uhr aus Neubukow, MV

Wer im Vogtland noch reine Bauerndörfer sehen will, muß vorallem in dem Gebiet zwischen Elster und Saale wandern. Wenn wir im Eisenbahnzug von Plauen über Schönberg, Reuth nach Hof fahren, erquickt uns immer wieder der Blick in das Becken, in dem die Dörfer Drochaus, Leubnitz, Rößnitz, Rodau, Kornbach und Tobertitz liegen und das noch ganz in allen seinen landschaftlichen Reizen zu uns spricht. Fabriken mit rauchenden Schornsteinen, überhaupt industrielle Anlagen irgendwelcher Art sind ihnen fern geblieben. Hier haben wir noch reine vogtländische Landschaft vor uns, deren Menschen in echten, rechten Bauerndörfern wohnen. So ein vogtländisches Bauerndorf alten Schlages ist auch Tobertitz. Rechts und links des Goldbaches liegen die Gutshöfe. Der Siedlungsforscher belehrt uns, daß Tobertitz seiner Ortsform und Fluraufteilung nach zu jenen Dörfern gehört, die slawischen Ursprungs sind und deren slawische Blockflur schon Waldhufenbildung zeigt, mithin die Merkmale jener slawisch-deutschen Übergangsformen aufweist, die im Vogtland häufig anzutreffen sind.
In einer Urkunde von 1328 tritt es zum ersten Male als "Tobertitz" auf. Der Ortsname hat also im Laufe der Jahrhunderte keine lautlichen Abwandlungen durchgemacht. Er ist slawischer Herkunft und bedeutet so viel wie Sippensiedlung des Dobrota (Benedict).
Auf dem Tobertitzer Rittergut saßen im 15.Jahrhundert die Walman und Feilitzsch, im 16. Jahrhundert die Feilitzsch. Dann war es auch einmal im Besitz der Familie von Tettau, von
der es an die Herren von Schönfels überging. 1857 gehörte das Rittergut August von Schönfels. Aus diesem Jahre haben wir folgenden Bericht über Tobertitz:

"Das Dorf Tobertitz besteht besteht aus 56 Wohngebäuden mit etwa 300 Einwohnern, welche zum Teil Ackerbau treiben, zum Teil aber auf dem Rittergut mit Handarbeit beschäftigt sind oder durch Weißnähen sich ihren Unterhalt verdienen. Das Rittergut hat nach geschehener Landesvermessung mit Einschluß einiger angekauften Wald- und Wiesengrundstücke 850 Areal Acker, und der nicht ganz undankbare Boden liefert bei sorgfältiger Bearbeitung völlig zufriedenstellende Ernten, sogar von Raps, Rüben und Weizen. Zum Rittergute gehören eine treffliche Schäferei und eine Ziegelhütte. Die Gegend von Tobertitz ist nicht unfreundlich, und von der eine halbe Stunde seitwärts sich hinziehenden Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn fällt der Ort recht angenehm ins Auge. Nach Plauen verkauft das Dorf seine landwirtschaftlichen Produkte."

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts war ein Herr von Wolffersdorff, nach diesen ein Herr von Biedenfeld Eigentümer des Rittergutes. Von einem Herrn von der Horst kaufte es
1911 Dr. Klügel, der es noch heute besitzt und bewirtschaftet. Mit besten Erfolg hat
Dr. Klügel das Schwergewicht seiner Wirtschaft auf Viehzucht und Weidebertrieb gelegt. Es ist eine Freude, das stattliche, schwarzbunte Vieh in den sauberen Ställen zu sehen. Tobertitz gibt ein gutes Beispiel für die typisch vogtländische Rittergutswirtschaft ab. Das Herrenhaus des Rittergutes ist bei aller Einfachheit ein sehr gediegener Bau mit großen Repräsentationsräumen. Das gewalmte Dach weist nebst anderen Merkmalen darauf hin, das es im 18.Jahrhundert gebaut worden ist. Von ebenso schöner als eigenartiger Wirkung ist im Inneren des Hauses die Treppenanlage, die nach der Gartenseite zu liegt.
An einem strengen Wintertag war ich im Herrenhaus eingekehrt. Dr.Klügel und ich sind Kriegskameraden, die im gleichen Regiment den Weltkrieg erlebt haben. Kriegskameraden verstehen sich sofort. Während draußen der Schnee glänzte, von den Wänden des traulichen Zimmers schöne Originale vogtländischer Maler auf uns niederblickten, erzählten wir von Vergangenem, Gegenwärtigem und fragten nach Zukünftigem. Und als ich dann in heller Mondnacht hinauf nach Reuth durch den Schnee stapfte, war es mir, als ob segnende Hände sich über dieses stille, friedliche Tal und seine Bewohner ausbreiteten.

Dr. Ernst Dietzsch

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem vogtländischen Tagesblatt
"Beschaulich Daheim"
aus dem Jahre 1934
wer mehr über die Geschichte von Tobertitz erfahren will klickt bitte hier